Gold ist ein Marathon und kein Sprint

In den vergangenen fünf Jahren hat Gold rund 13% an Wert eingebüßt, seit seinem relativen Höchststand im September 2012 circa 20%. Destotrotz muss man kein Experte sein um Gold gerade heute und jetzt zu kaufen, denn Gold ist ein Marathon und kein Sprint. 

Bei der Euroeinführung am 1. Januar 2002 lag der Preis für eine Unze Gold (31,10 Gramm) bei 313 Euro, der Schlusskurs am 29. Dezember 2017 war 1.082 Euro: Es sind akkumuliert 245%, was im Jahr einer durchschnittlichen üppigen Rendite von über 15% entspricht. Genau im selben Zeitraum hat der DAX30 sich von 5.160 auf 12.918 Punkte entwickelt: eine Ergebnis von +150%, das aufs Jahr gerechnet „nur“ 9,4% rentiert hat. Langfristig haben Anleger mit Gold grundsätzlich genauso Gründe zu Freude wie bei Aktien. Dazu ist der Goldpreis nicht ein Leistungsversprechen von launischen Vorständen, Investoren und Aktionären, ist nicht von Quartalszahlen und Jahresbilanzen abhängig, wird nicht von Skandalen bestimmt und hat kein Ausfallrisiko wie manche Unternehmen, die Anleihen gar nicht zurückzahlen können oder Dividendenzahlungen ausfallen lassen. Für Gold gilt das, was der unvergessliche weise Finanzexperte André Kostolany schon für Aktien exemplarisch darstellte: "Nach dem Kauf an der Börse in einer Apotheke auch Schlaftabletten kaufen, um nach Jahren als reicher Mann aufzuwachen.“

Nach dem Verbot von Goldbesitz in den USA 1933 ist Angst vor Enteignung von Goldmünzen in Deutschland ein blanker Unsinn

Viel zu oft wird in Deutschland über Szenarien eines bevorstehenden Goldverbots und von Enteignungsmaßnahmen durch die Bundesregierung berichtet. Dadurch wird Gold als Risikoanlage dargestellt und konkret angeregt, Gold am besten in bar und anonym zu kaufen und es selbst aufbewahren, um der angeblich drohenden staatlichen Enteignung zu entgehen. Abgesehen vom erheblichen Nachteil beim Wiederverkauf, man muss ja die Herkunft des Goldbestandes nachweisen und die eigene Identität doch ausweisen, ist diese allgemein herrschende Angst sachlich unbegründet. 

Die im Markt unterstellte künftige staatliche Enteignung bezieht sich auf eine sehr gewagte Interpretation des Grundgesetzartikels 14 Absatz 3: Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt. Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen. Wegen der Höhe der Entschädigung steht im Streitfalle der Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten offen. Wir sind keine Juristen, aber aus beruflicher Historie kennen wir Finanzmärkte und folgen realitätsbezogenen Wirtschaftskriterien.

Wie ein Gesetz in Deutschland entsteht, erklärt die Bundesregierung auf der eigenen Website www.bundestag.de sehr verständlich. Demzufolge droht in Deutschland kein Goldverbot und keine Enteignung. Der Lissaboner EU-Vertrag von 2009 regelt und schützt den freien Warenhandel innerhalb der Europäischen Union, dazu fördert der EU-Vertrag sogar die Verwendung von Gold (u.a. MwSt.-Richtlinie 98/80/EG). Ein Goldverbot bzw. eine Goldenteignung müssten – gegen geltendes EU-Gesetz – von der Bundesregierung oder einer Fraktion von mindestens 31 Bundestagsabgeordneten erst dem Bundesrat für eine Stellungnahme zugeleitet werden. Nach dem der Bundesrat dem Kanzler eine Stellungnahme über Verbot oder Enteignung abgegeben hat, leitet die Bundesregierung diese „Empfehlung“ für die Erarbeitung eines Gesetzentwurfes dem Bundestag weiter. Sobald dieser Gesetzentwurf auf der Tagesordnung des Bundestages steht, wird der Entwurf in Ausschüssen bearbeitet und demzufolge als daraus resultierender variierter Gesetzentwurf im Bundestag zur Abstimmung vorgelegt. Nachdem der im Bundestag mehrheitlich beschlossene Gesetzentwurf dem Bundesrat vorgelegt wird, wird dieser als neues Gesetz beschlossen. Das Gesetz trifft aber erst in Kraft, wenn es vom Bundeskanzler unterzeichnet dem Bundespräsidenten für die Prüfung der Übereinstimmung mit dem Grundgesetz vorgelegt wurde und dieser zustimmt. In diesem absurden Szenario wäre ein Goldverbot oder eine Goldenteignung in Deutschland möglich, nachdem das Gesetz nach Verkündung und Anzeige im Bundesgesetzblattes in Kraft treten würde.

Abgesehen von völlig unpassenden ökonomischen und juristischen Kriterien, welcher Abgeordnete von welcher Partei will bei den 25 Millionen Goldbesitzern – und Wähler – in Deutschland unvorstellbare soziale Unruhe riskieren? Die Unterstellung eines Goldverbots und einer Enteignung in Deutschland wird willkürlich und ohne Realitätsbezug generiert.

 

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